Typografie Richtlinien für Übersetzungen

richtlinien-uebersetzungen

Typografie Richtlinien für Übersetzungen sind ein wichtiger Baustein für die Contenterstellung in allen Bereichen. Für Betriebsanleitungen, Fachartikel, Papers, Broschüren oder jegliche Form einer Veröffentlichung müssen diese Richtlinien eingehalten werden. Dies definiert einen Standard und ist für den Übersetzer in seinem Prozess äußerst erleichternd und Ressourcenschonend.

Normalerweise besitzt jedes Unternehmen einen Redaktionsleitfaden in dem die Regeln für den jeweiligen Übersetzungsprozess beschrieben sind. In Abhängigkeit von Übersetzungssoftware, wie z. B. Across, werden weitere Regeln zu Layout und Austauschformaten definiert. Der Redaktionsleitfaden kann auch als Teil bzw. Kapitel eines Redaktionshandbuches bestehen. Nachfolgend finden Sie die ersten Punkte die eine große Hilfe für solch einen Übersetzungsleitfaden darstellen:

Maßeinheiten

Zwischen einer Zahl und der dazugehörigen Maßeinheit gehört nach Norm DIN 5008 ein Leerzeichen. Dabei müssen Sie immer ein geschütztes Leerzeichen verwenden. Durch Textumbrüche kann es zu unschönen Effekten kommen, dass die Zahl und die Maßeinheit getrennt voneinander stehen. Genauso ist es bei Währungszeichen. Nachfolgend einige Beispiele bei der Anwendung eines geschützten Leerzeichens:

Geschuetztes-Leerzeichen

Das geschützte Leerzeichen

Weitere Anwendungen für das geschützte Leerzeichen sind:

  • Typenbezeichnungen, die Leerzeichen enthalten
  • Bestellnummern, die Leerzeichen enthalten
  • zwischen Bedienelement und Bedienelementnummer
  • zwischen Seite und Pagina (besser: benutzen Sie nur die Pagina)

Die Hotkeys zum Einfügen des geschützten Leerzeichens unter Microsoft Windows und Apple Mac OS:

ProgrammWindowsMac OS
Adobe FrameMaker„Strg“ + „Leertaste“
MS Word„Strg“ + „Shift“ + „Leertaste“„Alt“ + „Leertaste“
Adobe InDesign„Alt“ + „Strg“ + „x“„Alt“ + „CMD“ + „x“

Bilder

Bilder die eingebunden werden dürfen keine feste Beschreibungen enthalten. D. h. in der Bilddatei dürfen keine Texte vorhanden sein. Nutzen Sie dazu Ihr Textverarbeitungsprogramm und schreiben Sie Bezeichnungen direkt mit diesem. Noch besser, Sie verwenden Zahlen um einzelne Komponenten des Bildes zu beschreiben und fügen nach dem Bild eine Tabelle mit den Beschreibungen ein:

bild-tabelle-beschreibung

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Formate

Nutzen Sie immer Absatz-, Zeichen- und Tabellenformate ihres eingesetzten Textverarbeitungsprogramms. In einer guten Redaktion sind Vorlagen mit den zu benutzenden Formaten definiert. Der Einsatz des einzelnen Formats wird ebenfalls im Redaktionshandbuch erklärt. Der Übersetzter nutzt bereits im Übersetzungsprozess die Zeichenformate und gibt diese wieder aus. So haben Sie die Übersetzung bereits in einem fertigen Layout vorliegen. Außerdem ist das Benutzen von Formaten ein schneller Handgriff beim re­di­gie­ren der Texte.

Prinzipien der kooperativen Kommunikation

Vermeiden Sie unnötigen Text! Das spart Übersetzungskosten und zieht den Übersetzungsprozess nicht unnötig in die Länge. Nutzen Sie die Terminologiedatenbank und erfinden Sie keine neuen Konstrukte. Halten Sie sich an die nachfolgenden Prinzipien, dann ist schon viel gewonnen.

  • Verwenden Sie keine Worthülsen, Blähwörter oder Texte, die den Benutzer in die Irre führen könnten.
  • Überprüfen Sie jeden Satz Ihres Dokuments, ob die Prinzipien der kooperativen Kommunikation eingehalten wurden sind.

Grice’sche Prinzipien der kooperativen Kommunikation

PrinzipErläuterung
QuantitätsprinzipienGestalten Sie den Text so informativ, wie es für den jeweiligen Zweck erforderlich ist!
Machen Sie ihn nicht informativer als erforderlich!
QualitätsprinzipienVersuchen Sie, Ihren Text wahrheitsgemäß zu machen!
• Schreiben Sie nichts, wovon Sie glauben, es sei unwahr.
• Schreiben Sie nichts, wofür Sie keinen angemessenen Nachweis haben.
RelevanzprinzipienBleiben Sie beim Wesentlichen!
AusdrucksprinzipienSchreiben Sie klar und deutlich!
• Vermeiden Sie verhüllende Ausdrucksweisen!
• Vermeiden Sie Mehrdeutigkeit.
• Fassen Sie sich kurz! Vermeiden Sie unnötige Weitschweifigkeit.
• Schreiben Sie planvoll, wohlgeordnet, konsequent!

Komplementärschriften im Web

Einen guten Artikelvorschlag erhielt ich von Jens. Er würde gerne etwas über gute Font-Kombinationen wissen:

Gerne würde ich hier auf die Typografie im Allgemeinen eingehen. Doch das Feld ist so gigantisch, das ich direkt auf gute Schriftkombinationen im Web verweisen werde.

Zuerst werde ich die gängige Leitmedien beleuchten. Dazu gehören Zeitungen, die schließlich seit der ersten Linotypemaschinen Erfahrungen mit der industriellen Produktion von Druckmedien haben. Ich wählte zur Schriftanalyse die Artikel-Headline, den Artikel-Haupttext und die Sub-Headline aus.

ZEIT ONLINE

headlines

Als Artikel-Headline benutzt ZEIT ONLINE die serifenlose Groteskschrift “Arial”. Diese besitzt eine gute Lesbarkeit und strahlt dazu eine Attraktivität und führende Seriosität aus. Als Artikel-Haupttext findet die moderne Barock-Antiqua “Georgia” verwendung. Diese wurde speziell für klare Darstellung und optimale Lesbarkeit auf Computerbildschirmen entwickelt. Diese passt hervorragend zum Thema Kultur und Politik.

The Seattle Times

seattle-times-typografie

  • Artikel-Headline: Georgia
  • Artikel-Haupttext: Arial
  • Sub-Headline: Arial

Georgia & Arial überwiegen

komplementaerefontszeitungen
Die Beispiele zeigen, dass die Kombination Georgia und Arial eine weitverbreitende Akzeptanz bei Lesern und Typografen zu finden ist. Somit ist diese Kombination eine gute Wahl für Webseiten.

Weitere Beispiele

Doch wie sieht es bei Shops, Portfolios oder anderweitigen Webseiten aus? Hier ein paar gute Beispiele:

  • notcoming nutzt zwei eingebettete Schriften. Als Headline “MapleBold” und Artikeltext: “ElenaRegular”
  • Mashable – Headline: “MuseoSlabRegular” / Artikeltext: “Helvetica Neue”
  • balsamstudio – Headline: “PFAgoraSerifPro” / Artikeltext: “Helvetica”

Ein paar Regeln für Komplementärschriften

Die Analyse von mehreren Webseiten hat gezeigt, das maximal 2 Schriftfamilien zum Einsatz kommen. Immer in Kombination mit einer Serifen- und einer Serifenlosen-Schrift.

Auf Schriftmischungen zweier unterschiedlichen Serifen- oder zweier Serifenlosen-Schriften sollten Unerfahrene verzichten. Schriftgruppen müssen mit Bedacht ausgewählt werden. Es kommt auf das richtige Kontrastverhältnis sowie Dynamik der Schriften an. Wer mehr über die richtige Schriftmischung erfahren möchte, sollte einen Blick in das Typolexikon werfen.

Ein paar Tipps zum Thema:

Einen guten Artikel über “Die gefühlte Lesbarkeit” von Bildschirmschriften und deren Bedeutung findet sich im designtagebuch.

thewebfontcombinator

Mit dem Web Font Combinator können Schriftkombinationen schnell mit wenigen Klicks getestet werden.

Hast Du noch einen guten Tipp oder ein Beispiel? Einfach Kommentar hinterlassen.